Die Wurfmaschine des Fördervereins Burg Lichtenberg

auch Tribock oder Trebuchet, eine Form des Katapults

Tafel Nr. 16

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An dieser Stelle sehen Sie den Nachbau eines mittelalterlichen Hebelwurfgeschützes von Uwe Strack, Salzgitter. Ein "Teuflisches Werkzeug" des Mittelalters.

Vor dem Aufkommen derartiger "Steinwerfer" oder Wurfmaschinen gab es für die Belagerer einer Burg kaum Waffen, die die Verteidiger zur Aufgabe gezwungen hätten. So konnte sich eine Bela­gerungs­situ­ation durchaus über Monate, gar Jahre hinziehen. Dies dauerte den Belagerern häufig zu lange, da die Angreifer über diesen Zeitraum gebunden waren und für andere Kampfeinsätze selten oder gar­nicht zur Verfügung standen. So musste die Belagerung auch häufig vor dem Erfolg aufgegeben werden.

Diese Situation änderte sich mit dem Erscheinen sogenannter Zieh­kraft­hebel­wurf­maschinen zu­gun­sten der Belagerer. Erste Kon­struk­tionen derartiger Wurf­ma­schi­nen sind offenbar im 8. Jh. n Chr. aus China über Zentralasien und westarabische Völker nach Europa gelangt. Einsätze derartiger "Ge­wer­fe" sind in Europa aber erst im 12. Jh., beispielsweise bei der Belagerung Akkons (28.8.1189 - 12.7.1191) bekannt geworden.

Belagerung von Akkon 1191

Ansicht einer Blide aus dem Jahr 1405 in Conrad Kyesers "Bellifortis"

Das Prinzip von Hebel­wurf­maschi­nen lässt sich an dem hier auf­ge­bau­ten Nachbau und dem Bild aus Conrad Kyesers Illustration sehr gut erkennen. Auf einer Seite ein kurzer Gewichtsarm mit einem anhän­gen­den Gewicht, das bis zur Last­grenze des Armes (ca. 600 kg) reichen kann. Auf der anderen Seite ein langer Wurfarm mit einer Seilschleuder daran (hier an­ge­hängt nur bei Vorführungen!).

Der lange Arm wird bis an die Erde herunter gezogen wodurch sich das Gewicht auf der anderen Sei­te, wie es auf der Abbildung zu sehen ist, nach oben bewegt. Eine Ar­re­tie­rung verhindert das so­for­tige Herabfallen. Zum Aufziehen dient die Kurbel, die, von 2 kräf­ti­gen Männern bedient, über ein Seil und zwei Umlenkrollen den langen Arm nach unten zieht.

Nach Lösen der Arretierung beschleunigt das fallende Gewicht den Wurfarm und die Seil­schleu­der, die das Wurfobjekt enthält. Diese wird durch die infolge der Bewegung auftretende Zen­tri­fugal­kraft weit nach außen bewegt und vergrößert damit wegen des ver­län­gerten Wurfarmes die Wurf­kraft. Zu einem bestimmten Zeit­punkt verlässt das Wurfobjekt die Schleu­der und bewegt sich auf einer Wurfparabel auf das Ziel hin. Die Zielgenauigkeit des Wurfes bei Wiederholungen ist erstaunlich hoch und liegt bei ca. ± 5 m

Gegengewicht zur Beschleunigung des Wurfarms der Blide des Fördervereins

Und wehe der Mauer, die es trifft! Denn wisse: steter Tropfen höhlt den Stein!! Das wussten bereits die Blidenwerfer des Hoch­mit­tel­alters.

Bei Vorführungen, die der Förderverein (FV) regelmäßig (derzeit wg. Corona zwischen April und Ende August 2020 ausgesetzt bis zur Freigabe ) veranstaltet, können selbst­ver­ständ­lich keine schweren Steine, wie sie im Hoch­mittelalter und später zum Einsatz kamen, geworfen werden. Die Burg soll keinesfalls weiter als sie es schon ist, beschädigt werden!

Ebensowenig werfen wir bren­nende Öl­fässer als Brand­ge­schos­se, Fäka­lien­fässer, abgeschnittene Köpfe, giftige Tiere - Schlangen, Skorpione -, Hornissen- oder Wes­pennester oder gar Leichen. Alles Wurfgeschosse, die im Mittelalter dazu dienten, die Burginsassen zu demoralisieren und von der Über­gabe der Burg an die Belagerer zu überzeugen!

Kommen Sie zu den auf unserer Internetseite und in der Zeitung angekündigten Vorführungen und sehen Sie selbst welche für die Bewohner einer Burg gefährliche Waffe vor den Toren und Mauern aufgebaut werden konnte. Allein die Aufbauarbeiten vor der Burg haben bereits ausgereicht, den Insassen Furcht und Schrecken einzujagen!

Die voraussichtlich nächste Vorführung - gutes Wetter ohne Regen vorausgesetzt - entnehmen Sie bitte der Ankündigung auf unserer Internetseite oder dem Schaukasten am Container bzw. den örtlichen Zeitungen

Bilder und Daten sind größtenteils einem Artikel von M. Feuerle, Uni Hannover, "Was die Hand kann machen, kann die Hand auch zerstören", Salzgitter Jahrbuch 2003/2004, S. 77ff, entnommen

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