Die Ringmauer mit Torturm der Burg Lichtenberg

von Holger Dussberg

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Ein zweiter wesentlich der aktiven Verteidigung dienender Schutzbau war die sicher sehr hohe Ringmauer, die im Torbereich auf dem Plateau steht und im weiteren Verlauf an einigen Stellen frei an der Hangschräge ruhend die Burg umschloss. Obwohl der Verlauf dieser im Durchschnitt ca. 1,60 m breiten Mauer, die als Schalenmauer konstruiert wurde, weitgehend bekannt zu sein schien, wurden 1990 bei archäologischen Untersuchungen im nördlichen Bereich der Vorburg eine bisher nicht vermutete Fortsetzung dieses Befestigungsteils nachgewiesen. Der neue Mauerzug verlief vom Plateau der Oberburg kommend an der heutigen Gaststätte vorbei und sperrte somit den Zugang zum Vorgelände des Palas. Sicher war die Ringmauer zum Schutz der Verteidiger mit einem Wehrgang versehen, über dessen Bauweise nur spekuliert werden kann. Entweder bestand er aus einer ein- bis dreistöckigen Holzkonstruktion, den Hurden, oder offenen Zinnen.

War der Wehrgang mit halbmannshohen Zinnen versehen, hinter der der Verteidiger kampfvorbereitende Maßnahmen treffen konnte, so wurden die Zwischenräume, die nie breiter als eine Zinne waren, mit Holzläden gedeckt. In diesen befanden sich je nach Bewaffnungsart der Burgbesatzung Schießscharten, die für Pfeil und Bogen schlitzartige und für die Armbrust seitliche Erweiterungen hatten. Längsschnitte mit kreisförmigen Öffnungen bezeichnete man als Schlüsselscharte. Da die Burg auf lichter Höhe stand, und die Besatzung jedem Wetter ausgesetzt war, war dieser Wehrgang, wie in Deutschland üblich, möglicherweise überdacht. Diese Dachkonstruktion, die entweder mit Schieferplatten oder seit dem 13. Jahrhundert auch mit Dachziegeln bedeckt sein konnte, wurde im Verteidigungsfall ggf. abgeworfen, um so der Besatzung zusätzliche Kampffreiheit zu geben. Die auf dem Lichtenberg nachgewiesenen unglasierten Dachziegel hatten in der frühesten Phase die Mönch und Nonne Form. Diese Deckungsart wog im gemörteltem Zustand ca. 100 kg/qm. Spätesten gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde diese Deckungsart durch den leichten Krempziegel ersetzt.

Die Ringmauer umschloss mit 13 Halbrundtürmen und einem Halbrundtorturm den Geländeabsatz. Da diese Türme an der Innenseite offen sind, werden sie Schalentürme genannt. Diese Konstruktion bot einerseits den Vorteil, daß die Türme von innen leichter zugänglich waren, andererseits der Feind, der bereits die Ringmauer erklommen hatte, keinerlei Deckung zur Hofseite hin hatte.