Burg Lichtenberg

Zerstört im Jahr 1552

In der Geschichte der Burg Lichtenberg ist das Jahr 1180 das erste, in dem sie in schriftlichen Zeugnissen des Hoch­mittelalters er­wähnt wird. Burg und Besitzer kamen beide zu Fall. Nach dem Niedergang des Besitzers, Hein­rich des Löwen, 1180, fiel 372 Jahre später auch die Burg durch Ka­no­nen­beschuss, ge­gen des­sen Zer­stö­rungs­kraft sie nicht länger geschützt werden konnte.

Wie kam es zur Zerstörung der Burg?

verfälschter Ausschnitt aus dem Merian-Stich der Burg Lichtenberg von 1652

Am 31. Oktober 1517 (heute zuerst Re­for­mations­tag, dann erst Halloween) hatte Martin Luther mit der Ver­öf­fent­lichung seiner 95 Thesen in Wittenberg für Furore gesorgt. Kirche war danach nicht mehr nur die eine katholische Kirche, die jahr­hun­derte­lang das Leben der Menschen bestimmt hatte! Sie musste sich künftig mit einer pro­tes­tan­tischen Form aus­ein­ander setzen. Die mit dem Erstarken des Pro­tes­tan­tismus ver­bun­de­nen Käm­pfe verliefen zumeist krie­gerisch und bedeuteten für die Menschen mit wenigen Ausnahmen Hunger, Ent­beh­rungen, Tod. Im Verlauf der Jahre nach 1517 trat eine kon­fes­sionelle Spal­tung in­ner­halb der Reichs­fürsten ein. Der regierende Kaiser, Karl V., Habs­burger, blieb dem­gegen­über treuer Anhänger der katholischen Kirche und versuchte, die Einheit der Kirche und des Reiches wieder her­zustel­len. 1530 wurde auf einem Reichstag in Augsburg, besonders durch Philipp Me­lanch­ton, Anhänger Lut­hers, der Versuch un­ter­nom­men, die Anerkennung des protestantischen Be­kennt­nis­ses seitens des Kaisers zu er­reichen. Am 25. Juni erhielt der Kaiser daher die sogenannte "Con­fes­sio Augustana" über­reicht. Sie gilt auch heute noch als Be­kennt­nis­grund­lage der lu­the­rischen Kirchen in Deutschland. Karl V. lehnte das Be­kennt­nis ab und be­för­derte damit den Zu­sam­men­schluss der pro­tes­tan­tischen Fürsten zum Schmalkaldischen Bund

Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen

Die protestantischen Für­sten trafen sich am 22. Dezember 1530 in Schmal­kalden, einer Stadt im südwestlichen Thüringen. Die Teilnehmer dieses Treffens beschlossen gegenseitigen Beistand im Falle eines Angriffs von Seiten des Kaisers oder einer Anklage vor dem zuständigen Reichs­kam­mer­gericht. Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg, Ernst, gehörte zu den Mitunterzeichnern des am 27. Februar 1531 erfolgten Zusam­men­schlusses, dem Schmalkaldischen Bund. Im Laufe der folgenden Jahre konnte der Bund seine Stärke - nicht allein die politische, sondern auch die militärische - gegenüber dem Kaiser und dessen Anhängern infolge der Aufnahme weiterer sich zum Protestantismus be­ken­nen­der Fürsten zu­neh­mend aus­bauen. Das Bündnis wurde 1536 um zehn Jahre verlängert, wobei jedoch innere Spannungen auf Grund verschiedener Interessen der Mitglieder nicht aus­blie­ben.

1542 sorgten der Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, der Groß­mütige, als Hauptleute des Bundes für die Vertreibung des Braun­schweiger Her­zogs Heinrich II., der Jüngere, von Braun­schweig-Wol­fen­büt­tel. Ein treuer Anhänger des Kaisers und ein strammer Katholik, der 1538 sofort nach dessen Gründung dem katholischen Stände­bünd­nis als Gegenkraft zum Schmalkadischem Bund, der Heiligen Liga, beitrat. Da die in seinem Herr­schafts­gebiet liegenden Städte Braun­schweig und Goslar protestantisch und beide Mitglieder des Bundes waren, daher stän­dig vom Herzog mit der Eroberung bedroht wurden, sahen die Hauptleute die Vertreibung des Herzogs als eine Prä­ven­tiv­maß­nahme an. Heinrich wurde für mehrere Jahre in der Festung Ziegenhain (in Nordhessen) eingekerkert. Diese Aktion musste eine Gegenreaktion des Kaisers provozieren. Die Maß­nahme gegen den Braun­schwei­ger Herzog wurde auch keines­wegs von allen Mitgliedern des Bundes gestützt, und sie ver­ur­sachte seine politische Schwächung.

Dem Kaiser gelang es nach Abwendung außen­po­liti­scher Gefahren, Ver­bün­dete für einen ihm als möglich erscheinenden Krieg gegen die Bun­des­mit­glieder zu gewinnen. 1546 begann der Schmal­kal­dische Krieg. Ein Krieg, bei dem der Kaiser auch durch eine Anzahl protestantisch gesinnter Fürsten unte­rstützt wurde. So z.B. Moritz von Sachsen, der Markgraf Hans von Bran­den­burg-Küstrin, Herzog Erich von Braunschweig, und ganz besonders zu merken - der ganz böse Bube: Markgraf Albrecht II. Alcibiades von Bran­den­burg-Kulmbach. Der Krieg endete am 24. April 1547 mit dem Sieg des Kaisers und der Heiligen Liga in der Schlacht auf der Lochauer Heide bei Mühl­berg/Elbe (zwischen Wei­mar im Norden und Coburg im Süden gelegen). Der Überfall auf den Braun­schweiger Herzog führte 1546 zur Reichsacht gegen Philipp von Hessen und Johann Friedrich von Sachsen. Kurfürst Johann Friedrich aus der ernes­tinischen Linie verlor seine Kurfürstenwürde - sie ging an seinen protestantischen Vetter aus der al­ber­tini­schen Linie, Moritz von Sachsen -, Philipp von Hessen ergab sich und beide, Johann und Philipp, wurden zuerst zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt und für fünf Jahre gefangen gesetzt. Der Schmal­kal­dische Bund löste sich auf. der vertriebene Herzog Heinrich II. von Braun­schweig-Lüne­burg, kehrte nach Braun­schweig zurück.

Doch was hat das alles nun mit der Burg Lichtenberg zu tun?

Zunächst, so scheint es, nicht sehr viel. Karl V. hatte 1547 keinen endgültigen Sieg über die Protestanten erreicht. Moritz von Sach­sen, selbst Protestant - wegen des Versprechens, Kurfürst werden zu können (es nach dem Krieg auch wurde) -, handelte zunächst als Unterstützer des Kai­sers. Später jedoch wandte er sich an der Spitze einer antikaiserlichen Front im Fürstenaufstand von 1552 gegen ihn. In der Folge musste Karl V. nach Italien fliehen. Ein Mitstreiter des neu ernannten Kurfürsten Moritz, der maßgeblich am Für­sten­aufstand beteiligt war, war Albrecht II. Alcibiades von Bran­den­burg-Kulmbach. Er half als Söldnerführer zu­nächst dem Kaiser im Schmal­kal­dischen Krieg, wand­te sich jedoch gegen ihn nachdem der kaiserliche Lohn eher bescheiden ausfiel. Das Ende des Für­sten­auf­standes bedeutete nicht zugleich das Ende der Kämpfe für Albrecht. Er bekämpfte weiterhin den Katholizismus indem er plün­dernd und brand­schat­zend die fränkischen Hochstifte bedrohte. In der Folge wurde er zum Landfriedensbrecher erklärt. Wegen seiner Plün­de­rungen und Erpressungen entwickelte sich ein heftiger Gegensatz zu seinem frü­he­ren Verbündeten Moritz von Sachsen. Im Kampf gegen den Katholizismus erkor sich Albrecht den streng ka­tho­lischen Herzog Heinrich II. von Braun­schweig-Wol­fen­büttel zu seinem ärgsten Gegner, zum Intimfeind. Und damit erreichte das Unglück in Form von Brandschatzung, Plünderungen und Tod nicht allein die Dörfer des Her­zog­tums, sondern betraf im besonderen Maße auch die Burg Lichtenberg. Mit den noch heute sichtbaren Folgen!

1552 Ein Schick­sals­jahr der Burg Lich­tenberg

Markgraf Albrecht II. wandte sich im Verlauf des Jahres 1552 mit seinem Söldnerheer nach Norden, um gegen Heinrich II. von Braunschweig vorzugehen. Er erhielt Hilfe von der Stadt Braunschweig, die ihren Herzog wegen seiner strengen, unnachgiebig ka­tho­lischen Haltung los­wer­den wollte. Kriege wurden weitgehend durch ange­wor­bene Söldner, denen es gleichgültig war, für welche Sache sie kämpften, ge­führt. Ihre geringe und oft auch fehlende Bezahlung ließ sie um ihrer Ernährung willen plündernd und brand­schat­zend durch die Lande ziehen. Einer der Söld­ner­füh­rer des Markgrafen Albrecht war Vollrad von Mansfeld, Sohn des Grafen Albrecht von Mansfeld. Mit rund 5400 Lands­knechten und 2100 Reitern fiel er in das Herzogtum Braun­schweig ein, nach­dem er bereits Städte im Harz­vorland verwüstet hatte. Seine Truppen führ­ten Kanonen mit mauer­durch­brechen­der Feuerkraft mit sich. Am 22. Oktober 1552 stand die Soldateska unter Führung eines Claus Berner vor den Mauern der Burg. Sie konnte sieben Tage gehalten werden. Dem Ka­no­nen­angriff am 29. Oktober 1552 ver­moch­ten die Mauern der Burg Lichtenberg jedoch nicht lange zu widerstehen.

Gedenkstein für Moritz von Sachsen bei Sievershausen

Der Angriff machte sie zur Ruine. Die Bewohner der nördlich gelegenen Orte Ober- und Niederfreden erkannten nach Abzug der Truppen in der Folge die zerstörte Burg als Stein­bruch. Die Steine der Burg boten eine außer­gewöhn­liche Möglichkeit zum Bau eigener Häuser. Ganz besonders als Materiallager für das neu zu errichtende Amtshaus der Domäne Lichtenberg (die ehemalige Domäne erkennt man heute nur noch an einer Mauer längs der Burgbergstraße, das Gelände wurde über­baut). Vor ihrer Zerstörung wurden auf der Burg Verwaltungsgeschäfte für die umliegenden Dörfer getätigt, die fortgeführt werden mussten. So wurde die Burg nahezu vollständig abgetragen und verblieb jahrhundertelang in einem desolaten, geradezu als kläglich zu bezeichnenden, Zustand.

Bis 1892, 340 Jahre nach der Zerstörung der Burg, der "Ver­schö­nerungs­ver­ein", Vorgänger des heutigen Fördervereins, die Bühne der Geschichte betrat und mit Zustimmung des damaligen Herzogs Johann Albrecht die Ver­ant­wor­tung für die trau­rigen Überreste über­nahm. Da­von jedoch an anderer Stelle!

Albrecht II. Alcibiades von Bran­denburg-Kulmbach er­leb­te am 9. Juli 1553 mit der Schlacht von Sie­vers­hau­sen bei Lehrte (10 km westlich von Peine) wäh­rend eines grausamen Gemetzels trotz an­fäng­licher Über­legen­heit eine schwere Niederlage gegen die Truppen von Moritz von Sachsen und des Herzogs von Braun­schweig. Wäh­rend der Schlacht verlor der Herzog zwei seiner Söhne. Auch Moritz von Sachsen fiel im Kampf. Ein Denkmal bei Sievershausen erinnert an seinen Tod.

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