Eine Nachlese

zum Symposium des Fördervereins Burg Lichtenberg zusammen mit dem Geschichtsverein Salzgitter und dem Fachdienst Kultur der Stadt Salzgitter

Das in diesem Jahr bereits zum 8. Mal durchgeführte Symposium hatte diesmal Frauen des Mittelalters, speziell im Braunschweigischen und im Harzraum zum Thema

Referenten (R) und Veranstalter (V): Dr. Christina Wötzel (R), Ekkehard Grunwald (V), Dr. Babette Ludowici (R), Dr. Jitse Jaspere (R), Dr. Barbara Klössel-Luckhardt (R), Dr. Mark Feuerle (R), Prof. Dr. Gerd Biegel (R), Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker (R), Prof. Dr. Matthias Springer (R), Karlhans Kummer (V). Auf dem Bild fehlt Dr. Jörg Leuschner als Veranstalter und Referent.

Ein hochkarätiges Expertenteam, das das nebenstehende Bild zusammen mit den Veranstaltern zeigt, versuchte, den Teilnehmern zu verdeutlichen, dass Frauen im Mittelalter zwar immer Ehefrauen, Töchter oder Mütter waren, jedoch nicht einfach nur als unbedeutende Familienangehörige agierten, sondern durchaus hohe Funktionen wahrgenommen haben.

Hören Sie hier das DUO EMOTION

Die Veranstaltung wurde am 21. Februar mit der Begrüßung durch den Leiter des Fachdienstes Kultur, Dr. Jörg Leuschner eröffnet und im Anschluss mit der Darbietung mittelalterlicher Musik durch das Duo Emotion (ausdrücklich: deutsche Aussprache!) aus Wolfsburg fortgesetzt. Einen Eindruck ihrer Musik, der mit ihrer Erlaubnis wieder gegeben wird, können Sie gewinnen wenn Sie den Button anklicken (Ausschnitt ca. 6 min. Bitte beachten Sie, dass das keine Studioaufnahme ist!).

Dem Auftakt mit zum Teil mittelalterlicher Musik folgte der Festvortrag von Frau Dr. Jitse Jaspere von der Uni Amsterdam. Ihr Vortrag behandelte "Maut (= Mathilde), die Tochter Eleonores von Aquitanien". Dr. Jaspere beleuchtete die Aufgaben und die Stellung Mathildes am Hof Heinrichs des Löwen. Die Vortragende konnte deutlich machen, dass die Ikonografie und Deutung von Bildinhalten durchaus auch als eigene Disziplin mit eigenen Methoden neue Einblicke in die Geschichte von Personen liefern kann wie es am Beispiel Mathildes dargestellt wurde.

Dem Vortrag folgte erneut die Musik von Duo Emotion. Mit dem Tausch ihrer zum Mittelalter passenden Kleidung des ersten Teils gegen hochmoderne Konfirmandenanzüge im zweiten Teil brachten die Musiker den Wechsel zur Moderne zum Ausdruck und entsprechend jüngere Musik zu Gehör. Unter anderem eine auf die beiden Instrumente, die sie spielten, adaptierte Version der Filmmusik aus dem Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu". Diese emotionale Musik, so erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer, war Anlass, sich als Duo Emotion zu benennen.

Am folgenden Tag kam das Thema richtig in Fahrt. Acht Vorträge beschäftigten sich mit den Frauen des Mittelalters. Zuerst mit namenlosen, jedoch nicht vergessenen Frauen der merowingischen Elite, sodann mit zwei Frauen im Dienste der Kirche, der Äbtissin des Klosters Ringelheimund der Inkludin Luitbirg im Kloster Wendhausen bei Thale. Prof. Dr. Springers anschließendes Referat über Königinnen des 10. Jh., die größtenteils als Fürsprecherinnen für die Interessen Anderer auftraten, wurde gefolgt von einer zu verschiedenen Zeiten interpretierten Chronik des Damenstifts Steterburg durch Mark Feuerle von der Uni Hannover. Nach der Mittagspaue erlebten die Zuhörerinnen den Leiter des Instituts für Braunschweiger Regionalgeschichte, Prof. Dr. Gerd Biegel mit einer Darstellung zweier Braunschweiger Kaiserinnen. Der pragmatisch handelnden, intelligenten, gewandten und willensstarken Kaiserin Richenza, Gemahlin Kaiser Lothars d. III. und der Maria von Brabant, die "vergessene Kaiserin", zweite Ehefrau vo Kaiser Otto IV. und Tochter des wirkungsmächtigen Herogs Heinrich I. von Brabant. Eine Spielerin (!), die sich nicht scheute, Spielschulden zu machen, die später von Johann Ohneland, Onkel Ottos IV., beglichen wurden. Sie ist 1260, zweiundvierzig Jahre nach dem Tod ihres Mannes, in Löwen beigesetzt worden

Jörg Leuschner, Mitveranstalter des Symposiums referierte im Anschluss über die Äbtissin von Gandersheim, Mechthild von Gandersheim. Sie führte einen erfolgreichen Kampf mit dem Bischof von Hildesheim, der das Kloster in seinen Herrschaftsbereich einzuverleiben trachtete. Mit Reisen zum Papst nach Rom und die Erinnerung an die Reichsfreiheit des Klosters gelang es ihr die angestrebte Exemption, d.h. nur dem Papst gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen, zu bewirken. Der Vortrag zeigte eine kämpferische Frau, die die Werkzeuge der Macht, die ihr in die Hand gegeben waren, zu nutzen wusste!

Der folgende Beitrag von Dr. Klössel-Luckhardt beschäftigte sich mit den Siegeln der Fürstinnen des Welfenhauses. Zu beginn mit Mathilde, Ehefra Heinrichs d. Löwen, für die die Zeit eigener Siegelführung noch nicht reif gewesen zu sein scheint. Erst Maria v. Brabant, Frau Kaiser Ottos IV, und spätere Frauen der welfischen Fürsten demonstrieren mit eigenen Siegeln ihre Eigenständigkeit.

Der abschließende Vortrag von Prof. Hucker beleuchtete das Werk der Priorissa Luckardis (auch Luitgard, Lutgardis, Luckard) von Warberg, die als Priorin des Klosters Marienberg bei Helmstedt von 1341 (?) bis zu ihrem Tod 1366 wirkte. Sie entstammte einem Adelsgeschlecht, das auf der Burg Warberg am Elm residierte. Sie könnte - der Name scheint, weil nicht jeder ihn benutzen durfte, darauf hinzuweisen - eine Nachfahrin der im Mannesstamm 1137 in Braunschweig mit Lothar III. erloschenen Linie der Liudolfinger gewesen sein. Zweimal blieb sie von verheerenden Pestepidemien, die nach 1346 das Land durchzogen, verschont, ein Hinweis auf ihre robuste Gesundheit. In ihrer Amtszeit entstanden eine Vielzahl von Paramenten (Textilien für Kirche und Priester) oder Hinzufügungen zu älteren. In der Zusammenfassung wurde angemerkt, dass Frauen wie Luckardis in den Quellen unterrepräsentiert sind, obwohl die Quellenlage noch sehr verbessert werden kann.

Der Leiter des Fachdienstes Kultur, Dr. Jörg Leuschner versprach, wieder alle Vorträge im Salzgitter-Jahrbuch drucken zu wollen.

Bilder von beiden Veranstaltungstagen finden Sie in unserer Fotogalerie