DCF 1.0

Der Kräutergarten der Burg Lichtenberg entstand im Jahre 2000. Er liegt am Fuße des Palas auf der Vorburg im Bereich des Zwingers. Burggärten lagen immer in Bereichen, die für die Verteidigung der Burg nicht relevant waren. Deshalb ist die Lage zwischen Palas und äußerer Ringmauer zwar historisch nicht belegt, aber möglich. Auf die Existenz eines ehemaligen Burggartens weist ein größeres Vorkommen von Helleborus viridis (Nieswurz} in der Nähe der Burganlage hin. Diese Pflanze wird in der Umgebung vieler Burgen gefunden.

grüne Nieswurz (Helleborus viridis), oft in der Nähe alter Burgen zu finden

Die Anlage des Kräutergartens ist an romanischen Vorbildern orientiert. Für die Herstellung der Anlage wurden Gartenpläne von Klöstern und Burgen herangezogen. Die Quellen beziehen sich hauptsächlich auf den Klosterplan St. Gallen und den Hortulus des Wahlafried Strabo sowie auf bildnerische und literarische Darstellungen mittelalterlicher Burgengärten.

Die durch die Umgebung bedingte Beeteinfassung mit Steinen entspricht historischen Vorbildern, ebenso die Begrenzung des Gartens durch einen Flechtzaun, der als Schutz gegen das Eindríngen von Tieren und das unbefugte Betreten des Gartens dient.

Die Bepflanzung des Gartens ist an der Landgüterverordnung Karls des Großen „Capitulare de villis“ (812), an den Pflanzenlisten des Wahlafried Strabo [809 – 849 ) und der Hildegart von Bingen (1098 -1179) orientiert.

Außer einigen heimischen Pflanzen entstammen die meisten Kräuter dem Orient und dem Mittelmeerraum; sie sind seit dem Mittelalter bei uns heimisch geworden. Da die verschiedenen Wirkungen und Nutzen der Pflanzen fließend übergehen – so ist z.B. Salbei ein Küchenkraut und gleichzeitig ein antivirales Heilkraut – besteht keine eindeutige Trennung zwischen den Pflanzbereichen.

Kräuter, die in der Küche genutzt werden. stehen vorwiegend im rechten unteren Teil des Gartens, vorwiegend heilkundliche Pflanzen dagegen im linken Teil. Dort stehen auch einige stark giftige Planzen wie Eisenhut, Maiglöckchen, Fingerhut, Nieswurz und Küchenschelle.

Die Anlage von Nutzgärten hat eine lange Tradition. An Burgen wurden auf Grund ihrer Abgelegenheit zur Selbstversorgung verschiedene Arten von Nutzgärten angelegt. Obstgärten, Gemüsegärten und Kräutergärten.

Der Würzgarten, in dem Pflanzen für die Verarbeitung in der Küche und zur Herstellung von Tinkturen, Wässern und Heilmitteln gezogen wurden, diente auch stiller Tätigkeit und beschaulicher Ruhe.

Die Schönheit und der Duft der Pflanzen sollten Auge und Geruchssinn ansprechen und zum Verweilen einladen. Manche als Heilkräuter angebauten Arten hatten als Symbolpflanzen des christlichen Glaubens Bedeutung. Akelei als Sinnbild des heiligen Geistes, Lilien als Zeichen der Unschuld und Reinheit. Rosen für das Blut Christi, Maiglöckchen als „Marienblume“ Symbol für reine Liebe.

Der schmückende Charakter dieser Pflanzen wurde in die Gestaltung des Gartens einbezogen. Ihre Schönheit war Teil ihres Nutzens und ihrer Heilwirkung. Das Nebeneinander von Kräutern und Blumen in frühmittelalterlichen Gärten zeigt die enge Verbindung medizinisch-naturwissenschaftlicher, kultisch-magischer und ästhetischer Vorstellungen.

Pflanzen, die offiziellen Zwecken dienten, wurden auch magische Kräfte zugeschrieben. Diese Pflanzen findet man als „einfache Heilmittel“ in den bekannten Pflanzneilisten des Mittelalters ( Physika, Hortulus).

Um 840 schrieb Walahfrid Strabo den ‚Liber de cultura hortorum‘ (Das Buch über die Gartenpflege), auch bekannt als ‚Hortulus‘, eines der bedeutendsten botanischen Werke des Mittelalters (Zitat Wikipedia). In Versform sind in diesem Werk 24 Heilpflanzen aufgeführt. Strabo beschrieb Beobachtungen und Erfahrungen, die er als Abt in seinem Klostergarten auf der Insel Reichenau gesammelt hat.

Auf die Existenz eines früheren Burggartens im Bereich der Burg Lichtenberg weist ein größeres Vorkommen von Helleborus viridis (Nieswurz) in der Nähe der Burganlage hin. (Bitte suchen Sie nicht danach, die Pflanze ist hochgiftig!)