Zur Belebung der Burg wurde im Jahre 2000 der "Burggarten" angelegt. Inzwischen hat sich der Garten unter der engagierten, ehrenamtlichen Pflege unseres Vereinsmitgliedes Ilona Beßling zu einem Kleinod und Anziehungspunkt entwickelt und stellt eine angenehme Bereicherung unseres Burggeländes dar.

Der Kräutergarten im Herbst 2018. Rechts die Palasmauer


Kräutergärten im Mit­tel­alter

Die Anlage von Naturgärten hat eine lange Tradition. An Burgen wurden auf Grund ihrer Abgelegenheit zur Selbstversorgung verschiedene Arten Nutzgärten angelegt: Obstgärten, Gemüsegärten und Kräutergärten.

Der Würzgarten, in dem Pflanzen für die Verarbeitung in der Küche und der Herstellung von Tinkturen, Wässern und Heilmitteln gezogen wurden, diente auch stiller Tätigkeit und beschaulicher Ruhe

Die Schönheit und Gerüche der Pflanzen sollten Auge und Geruchssinn ansprechen und zum Verweilen einladen. Manche als Heilkräuter angebauten Arten hatten ais Symbolpflanzen des christlichen Glaubens Bedeutung: Akelei als Sinnbild des heiligen Geistes, Lilien als Zeichen der Unschuld und Reinheit, Rosen für das Blut Christi, Maiglocken als "Marienblume" Symbol für reine Liebe.

Der schmückende Charakter dieser Pflanzen wurde ln die Gestaltung des Gartens einbezogen. Ihre Schönheit war Teil ihres Nutzens und ihrer Heilwirkung

Das Nebeneinander von Kräutern und Blumen in frühmittelalterlichen Gärten zeigt die enge Verbindung medizinisch-naturwissenschaftlicher, kultisch-magischer und ästhetischer Vorstellunqen.

Pflanzen, die offziellen Zwecken dienten, wurden auch magische Kräfte zugeschrieben. Diese Pflanzen fndet man als einfache "Heilmittel" in den bekannten Pflanzenlisten des Mittelalters (Physika, Hortulus).

Der Kräutergarten der Burg Lichtenberg

Der Kräutergarten der Burg Lichtenberg entstand im Jahr 2000, er liegt am Fuße des Palas auf der Vorburg im Bereich des Zwingers. Die Lage des Burggartens ist wahrscheinlich, wenn auch nicht historisch belegt. Burggärten lagen immer in Bereichen, die für die Verteidigung der Burg nicht relevant waren.

Auf die Existenz eines ehemaligen Burggartens weist ein großeres Vorkommen von Helleborum viridis (Nieswurz) in der Nähe der Burganlaqe hin, eine Pflanze, die in der Nähe vieler Burgen gefunden wird.

Die Anlage des Kräutergartens ist an romanischen Vorbildern orientiert. Für die Vorstellung der Anlage wurden Gartenpläne von Klöstern und Burgen herangezogen. Die Quellen beziehen sich hauptsächlich auf den Klosterplan St.Gallen und den Hortulus des Walahfried Strabo sowie bildnerische und literarische Darstellungen mittelalterlicher Burggärten.

Die von der Umgebung bedingten Beeteinfassungen mit Steinen entsprechen historischen Vorbildern, ebenso die Begrenzung des Gartens durch einen Flechtzaun, der als Schutz gegen das Eindringen von Tieren und das unbefugte Betreten des Gartens dient.

Die Bepflanzung des Gartens ist an der Landgüterverordnung Karls des Großen Capitulare villis (812), an den Pflanzenlisten des Walahfried Strabo (809 - 849) und der Hildegard von Bingen (1098 - 1179) orientiert.

Außer einigen heimischen Pflanzen entstammten die meisten Kräuter dem Orient und dem Mittelmeerraum, sie sind seit dem Mittelalter bei uns heimisch geworden. Da die verschiedenen Wirkungen und Nutzen der Pflanzen fließend übergehen, so ist z.B. Salbei ein Küchenkraut und gleichzeitig ein antivirales Heilkraut, besteht keine eindeutige Trennung zwischen den Pflanzenbereichen.

Kräuter, die in der Küche genutzt werden, stehen vorwiegend im rechten unteren Teil des Gartens, vorwiegend heilkundliche Pflanzen im linken Teil. Dort stehen auch einige stark giftige Pflanzen wie Eisenhut, Maiglöckchen, fngerhut, Nieswurz und Küchenschelle.


Aspekte mittelalterlichen Lebens

Das Mittelalter war geprägt durch ein starkes soziales und kulturelles Gefälle, durch Religion und kriegerische Auseinandersetzungen.

Die Menschen vom Land waren weitgehend Abhängige, die Lehen entrichten mussten in Form von Feldfrüchten und Fleisch. In den häufgen Kriegszeiten kam es oft zu Hungersnöten, da entweder die Besitzer oder die Besatzer des Landes alle Nahrungsmittel abzogen.

Folge der Hungersnot waren epidemisch auftretende Krankheiten wie Vergiftungen durch Mutterkorn, da unreifes Getreide vom Halm gegessen wurde. Skorbut, Tuberkulose und andere armutsbedingte Krankheiten waren die Folge. Die nahrungsmittelbedingten Erkrankungen der Reichen waren Gicht, Rheumatismus, Zirrhose.

Entsprechend der Besitzverhältnisse war die Ernährung der Bevölkerung sehr unterschiedlich.

Die Kost des einfachen Volkes bestand aus Brot als Grundnahrungsmittel, dazu kamen Schwein, Huhn, Eier Rind und Milchprodukte, je nachdem, wie groß das Lehen war.

Erbsen, Kohl, Lauch, Zwiebeln, Rüben und Karotten wurden angebaut.

Gekocht wurde Brei aus Mehl, Buchweizen, dicke Suppe aus Gemüse über irdenem Feuer in irdenen Töpfen.

Die Küche der Edelleute und höheren Stände war opulent, sie konnten Land und Jagdgüter nutzen.

Zu der Zeit war das Bewusstsein von Zusammenhängen zwischen Ernährung, Hygiene und Gesundheit kaum vorhanden. Einzig der Kirche und dem Adel war es vorbehalten, Kenntnisse über diese Zusammenhänge zu gewinnen und zu nutzen, da die Unterrichtung in Form von Schriftgut ein Privileg war.

Karl der Große, der von Reisen in den Orient Kenntnisse über Würz- und Heilkräuter, Gesundheit und Hygiene mitgebracht hatte, erließ Ende des 8. Jahrhunderts eine Landgüterverordnung. Er beschrieb Kräuter, Gemüse und andere Gewächse und empfahl sie verbindlich zum Anbau in Klostergärten. Auch im Burggarten der Burg Lichtenberg wurden seine Anweisungen umgesetzt.

Der Einsatz von Kräutern in der Küche war zu der Zeit, als die Möglichkeiten der Konservierung und Kühlung begrenzt waren, sehr umfangreich was die Menge und die Mischung betraf. Nicht zuletzt deshalb, um den Geschmack des angegangenen Fleisches zu überdecken.

Duftende oder stark riechende Kräuter wurden auch zur Überdeckung von üblen Gerüchen im Haus eingesetzt. Zudem wurden die heilenden Wirkungen der Kräuter genutzt.


Pflanzenliste

Achilea millefoniuin - Schaf­garbe

Entzündungshemmend, lindernd bei Verdauungsstörungen, krampflösend und blutstillend

Anwendung

Innerlich bei febrigen Erkrankungen, Durchfall, Thrombose, klimakterischen Beschwerden, äußerlich bei Wunden, Geschwüren, entzündeten Augen. Eine längere Anwendung kann zu Sonnenempfndlichkeit führen.

Aconitum - Eisenhut

Beruhigend und schmerzstillend, regt Herz und Nieren an und hat anti-rheumatische Eigenschaften.

Anwendung

Innerlich als Stärkungsmittel nach Schock und Trauma. Äußerlich bei Rheumatismus und Arthritis. Eisenhut ist stark giftig, der Hauptwirkstoff Actinin kann durch Atemlähmung und Herzstillstand zum Tod führen.

Ajuga - Günsel

Schmerzstillend, adstringierend

Anwendung

Äußerlich bei Quetschungen, Wunden und Tumoren. Die Pflanze wird im Sommer geerntet, für Aufgüsse und Extrakte getrocknet oder frisch zu Salben und Ölen verarbeitet.

Allium schoenoprassum - Schnittlauch

Ein scharfes Kraut zum Würzen von Salaten, Suppen und Quarkspeisen.

Allium sativum - Knoblauch

Antibakteriell, blutdruck- und fiebersenkend, schleimlösend

Anwendung

Küche: Geschmackssteigernd für Soßen, Fleisch und fschgerichte als Wfırze zu Butter, Öl, Essig. Medizinisch: innerlich zur Prophylaxe bei Infektionen, Bei Erkältungen Bronchitis, Magendarmkatarrh, äußerlich bei Hautproblemen und Pilzinfektionen

Althea offcinalis - Eibisch

antibakteriell, schleimlösend

Anwendung

Medizinisch: innerlich bei Entzündungen des Verdauungssystems, Bronchitis, Blasenentzündung, äußerlich bei Abszessen, Entzündungen, Insektenstichen. Die Blätter werden im Sommer gesammelt und für Aufgüsse, Salben, Extrakte getrocknet, die Wurzeln erntet man im Herbst für Flüssigkeitsextrakte, Sirup und Salben.

Anethum - Dill

Verdauungsregulierend, harntreibend

Anwendung

Küche: Als Salatgewürz, zum Einlegen von Gurken. Medizinisch: innerlich bei Verdauungsstörungen, Magenverstimmungen. Die Blätter erntet man im Sommer frisch oder getrocknet.

Kochrezept

Zander in Dill-Sauerrahm.

Einen mittelgroßen Zander putzen und waschen, salzen und pfeffern In einen mit Butter gefetteten Bräter legen. Saure Sahne darüber geben und reichlich mit Dill bestreuen. Bei 180 Grad im Ofen gar dünsten.

Angelica archangelica

Entzündungshemmend, krampflösend, schweißtreibend, febersenkend. schleimlösend.

Anwendung

Küche: Das Laub kann als Gemüse verzehrt werden. Medizinisch: innerlich bei Verdauungsbeschwerden, Migräne. Bronchitis, in der Geburtshilfe. äußerlich bei Rheuma und Neuralgien. Die Wurzeln werden im Herbst gesammelt, die Blätter vor der Blüte gepflückt, man trocknet alle Teile für Absude.

Anthriscus cerefoliun - Kerbel

Schleimlösend, reinigend

Anwendung

Küche: Die Blätter werden frisch Salaten, Kartoffel oder fschgerichten beigegeben. Medizinisch: innerlich Rheuma, Ekzem und Gelbsucht, äußerlich bei Bindehautentzündung. Die Blätter werden vor der Blüte geschnitten und frisch verwendet.

Aphanes arvensis

Adstringıerend, harntreibend

Anwendung

Innerlich bei Nieren oder Gallensteinen und Nieren- und Leberstörungen, Die Blätter werden im Frühsommer gesammelt und für Tinkturen getrocknet.

Amoracia rusticana

Schweißtreibend, febersenkend, harntreibend

Anwendung

Küche: junge Blätter für Salate, die Wurzeln werden gerieben und in Soßen verwendet. Medizinisch: innerlich bei Arthritis, Gicht, Erkrankungen der Atem- und Harnwege. äußerlich bei infzierten Wunden. Die Blätter werden im Frühjahr gepflückt und verwendet, die Wurzeln werden im Herbst ausgegraben und frisch verarbeitet.

Artemisia vulgaris - Beifuß

Leberstärkend

Anwendung

Küche: Würzkraut bei Fleischgerichten

Artemisia absinthum - Wermut

Harntreibend, entzündungshemmend, vertreibt Würmer

Anwendung

Innerlich zur Verdauung, bei Gallenbeschwerden und Würmern, äußerlich bei Quetschungen

Artemisia dracunculus - Estragon

Harntreibend, febersenkend

Anwendung

Küche: Die Blätter werden für Soßen und Dressings verwendet. Medizinisch: innerlich bei Verdauungsstörungen und gegen Würmer, äußerlich bei Rheuma und Zahnschmerzen.

Die Blatter pflückt man vor der Blüte, alle Teıle werden für Absude und Tinkturen getrocknet oder frisch zu Öl extrahiert.

Kochrezept

Lamm mit Kräuterkruste

Das Lammfleisch wird bestrichen mit einer Mischung aus Senf Weißbrotbröseln, Pfeffer, Basilikum, Sauerampfer, Kerbel, Knoblauch und Estragon und im Backofen gebacken. (Man kann auch Kümmel, Piment, Nelken. Salbei. Rosmarin und Lorbeer verwenden)

Berberis vulgaris - Berberitze

Fördert Leber Milz und Uterusfunktion, blutdruck- und febersenkend, entzündungshemmend

Anwendung

Küche: Die sauren Früchte haben einen hohen Vitamin~C-Gehalt, sie können zu Gelee verarbeitet werden. Medizinisch: innerlich bei Ruhr, Malaria. Hepatitis, Tumoren, Bluthochdruck und in der Chemotherapie. Die Früchte werden im Herbst geerntet und frisch verarbeitet. Wurzeln und Rinde werden im Herbst zur Herstellung von Flüssigkeitsextrakten und Pulver getrocknet.

Borago offcinalis - Boretsch

Harntreibend, beruhigend, blutdrucksenkend

Anwendung

Blätter und Blüten werden für Salate oder als Gemüse verwendet. Medizinisch; innerlich bei feber, Entzündungen. Hautleiden und prämenstruellem Syndrom. Die Blätter werden im Summer gepflückt und zu Aufgüssen und Flüssigkeitsextrakten frisch verarbeitet. Die Samen erntet man in der Reife zur Ölextraktion.

Buxus sempervirens - Buchsbaum

Narkotisierend. febersenkend. antirheumatisch

Anwendung

Innerlich bei wiederkehrendem feber. Kann bei Überdosierung zum Tod führen

Calendula officinalis - Ringelblume

.

Herzstärkeud, entzündungshemmend, verdauungsstärkend, blutstillend

Anwendung

Küche: Die Blütenblätter gelten als Safranersatz. Medizinisch: innerlich bei Magen und Darmgeschwüren, Hepatitis, Menstruationsbeschwerden, äußerlich bei Ekzemen, Bindehautentzündung, Krampfadern und Hautproblemen. Die Blätter und Blüten werden im Sommer geerntet und frisch oder getrocknet für Aufgüsse, Extrakte, Tinkturen oder Salben verarbeitet

Convalaria majalis - Maiglöckchen

Harntreibend, herzkreíslaufkräftigend

Anwendung

Innerlich bei Herzinsuffizienz, Arteriosklerose und niedrigem Blutdruck. Convaleria majalis ist sehr stark giftig.

Coriandrum sativum - Koriander

Appetitanregend, reiz-lindernd

Anwendung

Küche: Die Blätter werden zum Würzen von Speisen genutzt, die Samen als Bestandteil von Curries und in Backwaren verwendet. Medizinisch: innerlich bei Verdauungsproblemen, äußerlich bei Hämorrhoiden und Gelenkschmerzen. Die Blätter werden jung gepflückt und frisch verwendet. Die reifen Samen werden gemahlen in der Küche verwendet

Delphinum - Ríttersporn

Insekten und Parasiten abtötend

Anwendung

Äußerlich bei Kopfläusen. Die Samen werden reif gesammelt und zu Lotionen und Salben verarbeitet.

Dígitalis - Fíngerhut

Bitter, harntreibend

Anwendung

Innerlich bei Herzversagen. Digitalis ist giftig

Echinacea purpurea - Igelkopf

Anregend für das Immunsystem, antiviral

Anwendung

Innerlich bei Hautkrankheiten, Blutvergiftung, langsam heilenden Wunden, Infektionen der oberen Atemwege. Äußerlich bei Akne, Herpes, Schuppenflechte. Wurzeln und Rhizome werden im Herbst geerntet, getrocknet und für Absude, Aufgüsse, Flüssigkeitsextrakte, Pulver, Tabletten und Tinkturen verwendet.

Eruca satíva - Rauke

Kräftigend

Anwendung

Küche: Als Salat oder in Soßen

Foeniculum vulgare - Fenchel

Harntreibend, entzündungs- und krampflindernd

Anwendung

Küche: Fenchelblätter und Samen werden in Fischgerichten verwendet. Die Samen werden zerdrückt als Tee genutzt. Medizinisch: innerlich bei Verdauungsstörungen, Koliken, unzureichendem Milchfluss, äußerlich als Mund und Gurgelwasser bei Halsentzündungen. Für den Verbrauch in der Küche werden Blätter und Stängel nach Bedarf geschnitten. Reife Samen werden getrocknet.

Fragaria vesca - Walderdbeere

Harntreibend und abführend, hautverbessernd

Anwendung

Küche: Frische Früchte, die verzehrt oder zu Desserts, Saft und Wein verarbeitet werden. Medizinisch: innerlich bei Durchfall, Verdauungsstörungen und Gicht, äußerlich bei Sonnenbrand und Hautfehlern. Die Blätter werden im Frühsommer gesammelt und für Aufgüsse getrocknet, die Wurzeln werden im Herbst für Absude getrocknet, die Früchte werden reif geerntet

Gallium verum - Labkraut

abführend, harntreibend, adstringierend

Anwendung

Küche: Ein Gemüse mit schlankmachender Wirkung. Medizinisch: innerlich bei Mandelentzündung, Hepatitis, Zysten, Blasenentzündung, Ekzemen, äußerlich bei geschwollenen Lympfknoten, Geschwüren, Verletzungen. Die Pflanzen werden in der Blüte geschnitten und getrocknet und zu Aufgüssen, Extrakten und Tabletten verarbeitet.

Galíum adoratum - Waldmeister

Harntreibend, beruhigend, krampflösend

Anwendung

Küche: Waldmeisterbowle. Medizinisch: innerlich bei Thrombosen, Krampfadern, Hepatitis. Die Pflanzen werden vor der Blüte geschnitten und für die Küche frisch verarbeitet

Gentiana - Enzian

Verdauungsanregend, entzündungshemmend, fiebersenkend

Anwendung

Innerlich bei Leberbeschwerden, Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit. Die Wurzeln und Rhizome werden im Herbst geerntet und für Absude, Tabletten und Tinkturen getrocknet

Die Liste wird fortgesetzt

Text und Fotos: Ilona Beßling